Die Chronik



Kleiner Auszug aus der Chronik der Nagolder Hundefreunde
Wir alle sind nicht wir, sondern hängen mit unserem Sein und Tun
von denen ab, die vor uns waren.

Isolde Kurz

1912 Gründung –Ausgerechnet an einem Unglückstag

Unter dem Motto „In Zucht geeint - Im Sport vereint“ gründet sich am Freitag, der 13.12.1912 im Gasthaus „Schwarzer Adler“ unser Verein mit Namen „Verein der Hundefreunde Nagold und Umgebung“. Er wird Mitglied im Süddeutschen Verband Kynologischer Vereine, mit Sitz in Stuttgart-Zuffenhausen. Dieser Verband gehört der Delegierten Commission (D.C.).

1913 - 1914 Unser Verein macht sich einen Namen

Mit zwei überregionalen Rassehundausstellungen 1913 in Nagold und 1914 in Altensteig erleben die Hundefreunde einen großen Aufschwung. Während in Nagold die Rattenfängerprüfung auf lebende Ratten (Rat-Pits) das Publikum bestaunte, waren es in Altensteig die Dressurvorführungen mit Apportierübungen in der Nagold und über die 3 m hohe Steilwand.

1914 - 1918 „Stahlgewitter“ –Der Erste Weltkrieg

Der Krieg bedeutet für unseren jungen Verein einen schweren Rückschlag. Viele Mitglieder ziehen in den Krieg oder stellen ihre besten Gebrauchshunde militärischen Zwecken zur Verfügung. In Stadt und Bezirk wird der Verein bei Nacht zur Sicherung der Bahnhöfe und entlang der Bahnlinien eingesetzt. Im “Schwarzen Adler” findet am 26.12.1914 eine letzte Versammlung statt. Im November 1918 erfolgt der Rücktransport der Kriegshunde.

1919 - 1922 Von den Wirren nach Kriegsende bis zur Auflösung

Nach Ende des Krieges und den dramatischen Umwälzungen nehmen im Februar 1919 die Mitglieder die Vereinsarbeit wieder auf. Im Riedbrunnen findet im März 1920 der erste, öffentliche Dressurkurs statt. Damit wurde eine neue Linie in die Landkarte des Vereins gezeichnet.

Verbandswechsel als Rettungsschirm –1921 erfolgt der Verbandswechsel zum BUND, Vorläuferorganisation des heutigen Landesverband für Hundewesen Baden-Württemberg e.V.

Eine „Pfostenschau“ findet im Juni im Garten des “Schwarzen Adler” statt. Am 28.3.1922 beginnt der erste Dressurkurs auf dem neuen Dressurplatz „Teufels-Hirnschale“… Im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung löst sich unser Verein am 1.10.1922 im Gasthaus „Engel“ in Nagold überraschend auf- doch am Ende steht ein Anfang.

1922 - 1933 „Pass Auf“ – Der Nagolder Dressurverein

Die Auflösung bedeutet zugleich die Geburt des “Polizei-und Schutzhunde-Dressurverein Nagold”, denn nur zwei Wochen später gründet am 14.10.1922 die Dressurgruppe des alten Vereins im Gasthaus „Engel“ den „Nagolder Dressurverein“. Mitglied wird er im Württembergischen Dressurverband.

Im Zeitabschnitt der „Goldenen Zwanziger Jahre“ folgen zwar Jahre des Aufschwungs, doch die Ausbreitung der Tollwut und die damit verbundene Verfügung des Innenministeriums brachte den Hundefreunden neue Sorgen. In der Verfügung heißt es, das die Abhaltung von Hundemärkten, Hundeschauen, und sonstigen Veranstaltungen, bei denen Hunde verschiedener Besitzer zusammengebracht werden, bis auf weiteres für das ganze Landesgebiet verboten sind. Jetzt suchten wir mehr als nur das Überleben.

Mit den Dressurvereinen in Pforzheim und Mühlacker bildeten wir ab 1929 eine Arbeitsgemeinschaft und ermöglichten durch gegenseitige Unterstützung endlich Schutzhundeprüfungen durchzuführen. Dies ermöglichte 1930 führt die erste Schutzhundeprüfung auf dem neuen Dressurplatz „Teufels-Hirnschale“ durchzuführen.

Als am 29.Januar 1928 Christian Leitz mit seiner Frau, unter Mitwirkung des Vereinigten Lieder-und Sängerkranzes, nebst Streichmusik der Städtischen Musikkapelle, ihren „Saalbau“ zur „Traube“ eröffnen, ahnt wohl niemand, was sich fast 3 Jahre später in der Nacht von 31.1. auf 1.2. 1931 in diesem Saal ereignen sollte. In dieser Nacht gerät Nagold unvermutet in den Blickpunkt der Politik. „Moskowitische Strauchritter“ in Nagold, so der „Gesellschafter“ in seiner Berichterstattung über die „Schlacht“ im „Engel“…

1933 – 1939 „Heil Hitler“ - Von der Mitgliedschaft zur „Gefolgschaft“ (Fachschaft)

Nach der Machtwergreifung 1933 bot sich auch in Nagold das gleiche Bild wie in allen anderen deutschen Städten mit ihrem Klima von Gleichschaltung, Verhaftungen, Misshandlungen und Demütigungen von Andersdenkenden. Die Politik hielt ihren Einzug in die Vereinsgeschichte. Die Gleichschaltung aller Verbände und Vereine durch die NSDAP geht auch am Hundesport nicht vorbei…

Im November 1933 wird im Gasthaus „Linde“ der Verein neu gestaltet und gegliedert. Bei der Hauptversammlung am 28.1.1934 tritt der neue Vereinsname „Fachschaft für Polizei-und Schutzhunde Nagold“ erstmals in Erscheinung…

1939 – 1945 Das große Sterben – Der Zweite Weltkrieg

Mit dem Einmarsch der Wehrmacht am 1.September 1939 in Polen beginnt der 2.Weltkrieg. Er hat mehr Leid über die Menschheit gebracht als jedes andere Ereignis des 20.Jahrhunderts. Rund 60 Millionen Menschen kamen ums Leben.

Im Vergleich zum Ersten Weltkrieg verzehnfachte sich die Zahl der im Krieg eingesetzten Hunde auf über 200 000 Tiere, darunter allein auf deutscher Seite rund 40 000. Die Militärs aller Kriegsparteien konnten in diesem Krieg jedoch auf etablierte und erprobte Institutionen zur Ausbildung der Hunde für die jeweiligen Spezialaufgaben zurückgreifen.

30.000 Schäferhunde werden an der Front eingesetzt. Wie auch schon im ersten Weltkrieg sind die Opfer unter ihnen enorm hoch. 16 000 Hunde werden nach strengen Maßstäben gemustert. Kriegskamerad Hund versieht wie schon im 1.Weltkrieg seinen Dienst an der Front als Sanitäts-Schutz- und Meldehund.Wurden nach Ende des 1.Weltkrieges die "Kriegshunde" in die Heimat zurückgeführt, sowerden 1945, kurz vor der Kapitulation, die letzten Hundestaffeln durch unsinnige Befehle vernichtet

1945 - 1949 Nachkriegszeit– „Wir standen vor dem Nichts“

Der Zweite Weltkrieg brachte der Stadt Nagold glücklicherweise keine allzu starken Zerstörungen. Die Stadtverwaltung arbeitete nach Kriegsende in den folgenden schweren Jahren mit der frz. Besatzungsmacht gut zusammen. Im Kleintierzüchterverein Nagold, deren Mitglieder wir auch sind, wird unser Verein stillschweigend weitergeführt.

1949-1952 Neuanfang-Klare Spur ins Morgen

Im Juli 1949 beginnt die Nachkriegsgeschichte unseres Vereins. Sie fängt zeitgemäß improvisiert und bescheiden an. Hier bewährte sich nun die im „alten Dressurverein“ entwickelte Kameradschaft. Aus dem ehemaligen Nagolder Dressurverein entsteht der „Verein der Hundefreunde Nagold und Umgebung“, der mit diesem Namen den Urverein von 1912 bis 1922, wenn auch nur für kurze Zeit, wieder zum Leben erweckt.

1952 – 1989 Auf neuer Grundlage – An der SV-Leine

In den folgenden Jahrzehnten nahm unser Verein einen Aufschwung, der das Gesicht des Vereins mehr verändert hat als Jahrzehnte davor. Nach Gründung einer Ortsgruppe Nagold im Verein für Deutsche Schäferhunde (SV) e.V. und nach Rücktritt der bisherigen Vorstandschaft des „Verein der Hundefreunde e.V. 1912 Nagold und Umgebung“ bildet sich 1952 der „Verein der Hundefreunde Nagold und der SV-Ortsgruppe Nagold e.V.“…

Aus dem Erlös der 1.Schwarzwald- Sonderschau kann 1952 ein Grundstück vom Ehrenvorsitzenden Gottlob-Friedrich Stottele auf dem „Heiligkreuz“ gekauft werden. Im gleichen Jahr wird unser Verein erstmals ins Vereinsregister mit eigener Satzung eingetragen.In herrlicher Lage entsteht 1959 das neue Vereinsheim Berghof“. Rund 1000 Gäste aus Nagold und Umgebung wohnen der Eröffnung bei…

1989 – 1996 Rechtssicherheit - Zweckgemeinschaft

Nach zweijähriger Vorbereitungszeit, in welcher in zahlreichen Monats-versammlungen alle Mitglieder mit einbezogen wurden, wird in der Hauptversammlung 1989 einstimmig der Name des Vereins in “Verein der Hundefreunde Nagold e.V.” mit eigener Satzung beschlossen. Im Vereinsregister und im Grundbuch wird der Name entsprechend der Satzung geändert. Ab 1991 öffnet sich der Verein unter dem Leitsatz „Weg vom reinen Schutzhundesportverein hin zum Begegnungsort für jeden Hund und Hundehalter“. Mit dem Beginn der Basisausbildung und ihrem ersten „Team-Test“ 1992, dem Turnierhundesport mit dem 1. Adventscup im Hindernislauf 1994, und der eigenständigen Jugendgruppe ab 1994 ,läutet der Verein eine neue Ära ein.

1996 - 2003 Souveränität – Das Ende der Zweckgemeinschaft

So bleibt es nicht aus, dass sich 1996 die Mitglieder des Vereins der Hundefreunde Nagold e.V. in der letzten gemeinsamen Hauptversammlung mit der SV-OG Nagold für die volle Souveränität ihres Vereins aussprachen und mit überwältigender Mehrheit für eine eigene Vorstandschaft votieren. Zudem wird das Miteinander mit Behinderten in der Satzung festgeschrieben und der behindertengerechte Umbau der Vereinsanlage mit Vereinsheim „Berghof“ beschlossen.

Das Drehbuch der Vereinsgeschichte schreibt nun der „Verein der Hundefreunde Nagold e.V.“. Damit endet eine 44 jährige Vereinsarbeit unter SV-Leitung auf dem „Heiligkreuz“.

Im Bewusstsein, die Tradition zu erhalten und weiterzutragen, ließ die Vereinsleitung des VdH Nagold e.V. nach 1996 keinen Zweifel daran aufkommen, dass die Vereinsmitgliedermitglieder die die SV-Ortsgruppe Nagold bilden, auch künftig ihren eigenen, frei gestalteten Raum „bewohnen“ dürfen und sich nicht als abhängiger „Untermieter“ anzupassen haben. Hierzu wurde mit der SV-Gruppierung ein entsprechender Kooperationsvertrag vereinbart.

2003 - 2012 Getrennte Wege

In der Mitgliederversammlung 2003 in der „Traube“ in Altensteig wird eine neue Vereinssatzung mit einem einheitlichen Übungsbetrieb verabschiedet. Die nicht eigenständige SV-OG Nagold verlässt daraufhin nach über 50 jähriger Zusammenarbeit freiwillig das gemeinsame Zuhause auf dem „Heiligkreuz. Zudem wird die aus England kommende Hundesportart „Agility“ eingeführt.

Unter dem Motto „Tolle Hundstage auf dem Berghof“ wird am 21. und 22.6.2003 der 90. Geburtstag gefeiert. Mit dem Vereinsgelände und dem Vereinsheim in herrlicher Lage, so der Nagolder OB Prof. Dr. Rainer Prewo, hat der Verein einen Beitrag zur Steigerung der Attraktivität des Naherholungsangebotes in der Stadt Nagold beigetragen.

Der seit dem 19.12.2003 bestehende Anschluss des Vereinsheims „Berghof“ an das Zu-und Abwassernetz der Stadt Nagold bedeutet eine große finanzielle Herausforderung. 2006 löst sich die nicht eigenständige SV-Ortsgruppe Nagold auf. Nachdem der Verein seit 2001 mehr Frauen zählt als Männer, sind ab 2009 erstmals in der Vereinsgeschichte nun auch die wichtigsten Führungspositionen fest in Frauenhand. Leider war der „Amazonenherrschaft“ nur ein Jahr vergönnt…

2008-2012 Instabile Lage

Die folgenden Jahre werden von innenpolitischen Themen geprägt die zu einer instabilen Lage führen. Der Verein krankte an den dauernden Wechsel der Vorsitzenden.

Hundeleckerbissen, die an alte Zeiten erinnerten, waren die Landessieger-Zuchtschauen der Landesgruppe Württemberg im Dobermannverein in 2011 und 2012 auf unserer Hundesportanlage „Berghof 1“.

2012 – 2015 Der Blick nach vorne

Eingebettet im Jahrhundertereignis Landesgartenschau in Nagold wird das 100 jährige Jubiläum mit Hundesportvorführungen im Stadtpark Kleb, der Jubiläumsfeier mit Oberbürgermeister Jürgen Großmann auf dem Gerichtsplatz und der Ausstellung der Vereinsgeschichte im Rathaus begangen. In der Mitgliederversammlung wird der Zusatz „1912“ im Vereinsnamen aufgenommen. Unser Verein heißt nun: „Verein der Hundefreunde Nagold 1912 e.V.

Schluss - „Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein.“ (Robert Bosch)

So verschieden die Aufgaben und Ziele auch waren, so haben sie doch alle eines gemeinsam: Der Verein wird getragen vom Idealismus ehrenamtlich tätiger Mitglieder, die bereit sind, manche freie Stunde dem Verein und somit dem Gemeinwohl zu widmen.